Der Römerschatz von Weißenburg

Ein Sensationsfund am Rätischen Limes

Das Römermuseum in Weißenburg in Bayern

Autor: Michael Kuhn M.A.

Im Zuge von Gartenarbeiten wurde im bayerischen Weißenburg einer der wertvollsten Schatzfunde aus römischer Zeit gehoben. Die Umstände der Bergung und die Beschreibung der wertvollen Artefakte läßt eher an einen Krimi als einen archäologischen Bericht denken. Lassen sie sich verzaubern und überraschen.


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Der Schatzfund von Weißenburg zählt zu den spektakulärsten und aufregendsten Entdeckungen der provinzialrömischen Archäologie in Bayern. Was dort im Jahre 1979 ans Licht des Tages kam, stellt ein unvergleichliches Konglomerat von Weihegeschenken und Hausrat aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. dar. Die Götterstatuen, Gesichtshelme und Preziosen aus Silber, Bronze und Eisen füllen eine komplette Etage des dortigen Römermuseums. Alleine die Auffindung und Sicherung des Fundes liest sich wie ein Krimi.

Doch zuvor einige Worte zur historischen und archäologischen Standortbestimmung des damaligen Truppenstandortes und der Ansiedlung Biriciana, des heutigen Weißenburg. Der nach Aalen bedeutendste Stationierungsort am Rätischen Limes war vom Ende des 1. Jahrhunderts bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts von der Reitereinheit Ala 1 Hispanorum Auriana belegt. In der Mitte des 2. Jahrhunderts wurde das Holz-Erde Lager in ein 3,1 ha großes, nahezu quadratisches Steinkastell umgebaut 174 x 179 m). Die Befestigung lag im rückwärtigen Raum der 5,7 km entfernten Grenzlinie des Limes. Im Westen, Süden und Osten des Lagers entwickelte sich ein ca. 49 ha großer Lagervicus, dessen großzügige Thermenanlagen 150 m westlich des Lagers angesiedelt waren. Die Überreste von Kastell und Vicus wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Reichslimeskommission und die zuständigen Denkmalbehörden eingehend untersucht. Die Wehrmauern und die Stabsgebäude (Principia) wurden konserviert, während das Nordtor mit den angrenzenden Mauerpartien 1990 vollständig rekonstruiert wurde. Die im sogenannten Bäderviertel gelegene Haupttherme wurde ebenfalls aufwändig konserviert und 1985 mit einem Schutzbau (Museum) versehen. Ein weiteres Museum in der Stadtmitte von Weißenburg zeigt bedeutende Funde der Grabungen und den über die Grenzen Weißenburgs weithin bekannten Römerschatz.

Bei der Anlage eines Spargelbeetes wurde im Oktober 1979 der berühmte Schatz freigelegt. Der Grundstückeigentümer stieß in 30 – 40 cm Tiefe auf die metallenen Überreste eines römischen Klappstuhls, deren Wert nicht erkannt wurde. Erst als beim Abgraben des Boden weitere Metallgegenstände ans Tageslicht kamen wurde dem Finder bewusst, dass er auf etwas ganz Besonderes gestoßen sein musste. Leider wurde die Grube unfachmännisch ausgehoben, wobei sogar kleinere Funde übersehen wurden. Eine Meldung an die zuständige Denkmalbehörde erfolgte erst eine Woche später. Inzwischen war die Presse auf den Fund aufmerksam geworden, sodass eine seriöse Bearbeitung nicht mehr möglich war. Zwischenzeitlich musste sogar der Verkauf der Fundstücke ins Ausland befürchtet werden. Erst nach der Sicherung dieses einzigartigen Kulturgutes war es möglich, vor Ort eine Nachgrabung durchzuführen, die im November 1979 weitere Erkenntnisse erbrachte. Es wurde eine Grube von 1, bis 1,9 m Seitenlänge und einer Tiefe von bis zu 0,75 m festgestellt. Die Grube war in eine römische Schuttschicht eingetieft und abgedeckt worden, wobei die Form auf eine vergrabene Holzkiste schließen lässt, von der sich keine Reste erhalten haben. Es war dann erst im März 1980 möglich, alle Fundstückeeingehender eingehender zu untersuchen. Nach der Erwerbung des Schatzes durch das Land Bayern im Jahre 1980 wurde schließlich die Errichtung des heutigen Römermuseums als Ausstellungsort des Schatzfundes in die Wege geleitet. Die aufwändige Restaurierung der Fundstücke, deren eisernen Bestandteile erheblich korrodiert waren, konnte in den folgenden Jahren in München und im RGZM Mainz erfolgreich durchgeführt werden.

Insgesamt umfasst der Römerschatz von Weißenburg 114 Einzelstücke, die sich wie folgt zusammensetzen:

18 Bronzestatuetten,10 figürliche Bronzen, 11 Silbervotive, 3 bronzene Gesichtshelme, 1 eiserner Hinterhaupthelm, 20 Bronzegefäße darunter eine Weihung an Epona, 18 Bronzebeschläge und 33 Eisengeräte, unter anderem ein Klappstuhl und eine Schnellwaage.

In der Mehrzahl handelt es sich um Weihegegenstände die im 3. Jahrhundert vor einfallenden Germanen verborgen wurden. Die Besitzer werden wohl nicht mehr in der Lage gewesen sein, die Wertgegenstände wieder zu bergen. Ein Glücksfall für den heutigen Besucher, der staunend vor den kostbaren Relikten einer bewegten Vergangenheit steht.

Apollo mit Lorbeerkranz, Kithara und Plektron.

Bronze und Kupfer

Herkules mit Keule, Löwenfell, Äpfeln der Hesperiden und Eber.

Bronze und Kupfer.

Helmmaske für Reiterspiele. Es wurden die Namen von zwei Besitzern, Salturinus und Iustinus, eingeprägt. Es muß demnach ein Eigentümerwechsel  der Helmträger stattgefunden haben.

Messing.

Helmmaske. Bei diesem Stück sind drei Besitzer benannt.

Messing

Paradehelm aus Bronze.

Weiheschale mit Inschrift „Epona“.

Messing.

Bericht