Die Römer in Transsylvanien
Eine archäologische Exkursion nach Rumänien
Autorin: Greta Lahn
Unsere letztjährige Exkursion führte uns zu den archäologischen Relikten des Römischen Dakiens. Während der 10-tägigen Rundreise besichtigten wir die militärischen, zivilen und sakralen Hinterlassenschaften der römischen Herrschaft des 2. und 3. Jahrhunderts. Ich nehme Sie mit auf eine spannende Reise in den Südosten Europas.
Rumänien – und insbesondere das Gebiet Transsylvanien – ist vielen vor allem durch die Legende um Graf Dracula ein Begriff. Doch das Land im Südosten Europas hat neben seiner besonderen geographischen Lage und der wunderschönen Natur zwischen Karpaten, Donau und Schwarzem Meer auch viel Interessantes in Sachen Geschichte und Archäologie zu bieten.
Im September 2025 durfte ich Rumänien im Rahmen einer Exkursion meines Archäologiestudiums erkunden.
Historischer Kontext
Die Geschichte des heutigen Rumäniens zur römischen Zeit ist hoch spannend: Die Provinz Dacia bestand nur knapp 100 Jahre und dennoch wurden hier Legionsstandorte, Verwaltungssitze und Großstädte, die Coloniae, ganz im Vorbild Roms aufgebaut. Erst Kaiser Traian gelang es im Rahmen der Dakerkriege, die Gebiete zu erobern und 106 n. Chr. wurde die Provinz Dacia errichtet. Vorher war es immer wieder zu Konflikten mit dakischen Kräften und fehlgeschlagenen Vorstößen des römischen Heeres gekommen.
Die Verwaltungsstruktur der Provinz änderte sich trotz seiner kurzen Bestandsdauer mehrmals; unter Hadrian wurde sie im Jahr 118 n. Chr. in die Bereiche Dacia Superior und Dacia Inferior unterteilt, 5 Jahre später teilte er von Dacia Superior den Verwaltungsbereich Dacia Porolissensis ab. Zwischen 167 und 169 n. Chr. strukturierte Marc Aurel die Provinz erneut, er unterteilte sie in Dacia Apulensis, Dacia Porolissensis und Dacia Malvensis.
Die Legio V Macedonica und XIII Gemina waren in den großen Legionslagern in Potaissa (heutiges Turda) und Apulum (heutiges Alba Iulia), wichtigen Verteidigungspunkten des dakischen Limes, stationiert.
Beide Standorte besuchten wir auf unserer Rundreise.
In Potaissa erstaunt vor allem die Lage hoch oben auf einem Plateau. Die strenge Anordnung der Lager, die wir von den idealtypischen Handbuch-Plänen aus der Vogelperspektive kennen, wurde auch hier oben auf unebener Fläche angewandt. Sehenswert waren neben einer übergroßen principia besonders die Thermen mit den gut erhaltenen Hypokausten.

Die Provinz Dacia, wikimedia commons gemeinfrei.
Militärstandorte der Provinz
Die Legio V Macedonica und XIII Gemina waren in den großen Legionslagern in Potaissa (heutiges Turda) und Apulum (heutiges Alba Iulia), wichtigen Verteidigungspunkten des dakischen Limes, stationiert.
Beide Standorte besuchten wir auf unserer Rundreise.
In Potaissa erstaunt vor allem die Lage hoch oben auf einem Plateau. Die strenge Anordnung der Lager, die wir von den idealtypischen Handbuch-Plänen aus der Vogelperspektive kennen, wurde auch hier oben auf unebener Fläche angewandt. Sehenswert waren neben einer übergroßen principia besonders die Thermen mit den gut erhaltenen Hypokausten.

Thermen im Legionslager Potaissa, Eigene Aufnahme.
Die jenseits der Donau auf heutigem serbischem Gebiet liegenden Militärstandorte Diana und Pontes wurden mit dem am nördlichen Donauufer gelegenen Drobeta durch die Trajansbrücke verbunden. Diese wurde unter ihrem Namensgeber Traian zur logistischen Unterstützung der Dakerkriege erbaut und 105 n. Chr. fertiggestellt. Der bekannte kaiserzeitliche Architekt Appolodor von Damaskus wurde mit dem Bau der Brücke beauftragt, die nach ihrer Fertigstellung über eine unglaubliche Gesamtlänge von mehr als 1 km verfügte. Damit war sie über ein Jahrtausend hinweg die längste Brücke der Welt.

Visuelle Rekonstruktion der Trajansbrücke, Eigene Aufnahme.
Sarmizegetusa
Neben den Militärstandorten faszinierten mich vor allem die Coloniae, die großen und für die Verwaltung wichtigen Städte der Provinz. Die Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa (auch heute noch Sarmizegetusa) war, bis Apulum Sitz des Statthalters wurde, das Verwaltungszentrum der Provinz. Die Ansiedlung wurde zwischen 108 und 111 n. Chr. zur Colonia erhoben; deren Bewohner wurden damit rechtlich römische Bürger.
Die Siedlung wurde an der Stelle eines vorherigen Legionslagers errichtet, dessen Truppen spätestens ab 107 n. Chr. abgezogen wurden. Innerhalb der Stadtumwehrung können heute unter anderem noch Reste des Forums mit der Curia sowie der Statthalterpalast besichtigt werden.

Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa, Forumsbereich, Eigene Aufnahme.
Eine Besonderheit bildet der sich außerhalb der Umwehrung befindliche Tempel- und Kultbezirk: Für Sarmizegetusa lässt sich die Verehrung von zahlreichen Gottheiten des klassisch-römischen Götterhimmels belegen. Daneben sind aber auch regionalspezifische, zum Beispiel syrische Gottheiten zu fassen. Während etwa der Kapitolstempel des Iuppiter und der Tempel des Weingottes Liber Pater dem klassischen Schema des mediterranen Kultbaus folgen, wurde für den Bau der syrischen Gottheiten ein Architekt beschäftigt, der die regionalspezifische Bauform beherrschte. Auch eine für unsere Nordwestprovinzen charakteristische Tempelform, der gallorömische Umgangstempel, lässt sich in Sarmizegetusa, im Aesculapius und Hygia Bezirk, fassen. Vor allem die Diversität der verehrten Gottheiten in den Kultbezirken zeigte deutlich, wie multikulturell die römische Provinzbevölkerung war!

“Großer Tempel” Sarmizegetusa, Eigene Aufnahme.

Nemesis Tempel, wikimedia commons gemeinfrei.
Fazit
Bemerkenswert ist, dass man in den archäologischen Stätten Fundamente, aufgehendes Mauerwerk sowie Säulenreste oder Weihesteine in situ vorfindet. Weihesteine, Grabsteine und Skulpturen sind darüber hinaus in Lapidarien ausgestellt, von denen wir auch eines in Deva besichtigen konnten. Hier ermöglichte die Fülle an unterschiedlichen Steinwerken einen direkten Vergleich in Bezug auf Zeitstellung sowie regionale Verschiedenheiten und bot darüber hinaus einen Einblick in das persönliche Leben der Provinzbewohner.
Für mich war es wahnsinnig spannend zu sehen, in welcher vergleichsweise kurzen Zeit die Römer in der Provinz Dakien ihre Strukturen nach dem Vorbild Rom schufen und wie der römische Einfluss die Region bis heute prägt. Rumänien ist neben seiner wunderbaren Natur für mich nun auch definitiv ein Tipp für Archäologie- und Geschichtsinteressierte. Wer sich für Provinzialrömische Archäologie interessiert, sollte Rumänien unbedingt auf die eigene Reiseliste setzen!

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