Eine Acht – ist sie auch in Irland zu finden?
Autorin: Katharina Kastenholz
Unsere neue Autorin Katharina Kastenholz ist in Irland auf ein hochinteressantes Detail gestoßen, das sie dort nicht erwartet hätte. Als Aachener Domführerin ist sie natürlich mit der mystischen Bedeutung der Zahl 8 im religiösen Kontext vertraut. Seid auf ihre Ausführungen zu diesem Thema gespant.
Immer wieder angezogen vom Oktogon – dem achteckigen Gebäude Karls des Großen in Aachen – streife ich durch die Welt, stets auf der Suche nach der Acht! Wohlwissend, dass Pythagoras bereits im 7./6. Jh. v. Chr. eine besondere Vorliebe für die Zahl 8 als Symbol für vollkommene Harmonie und den Neuanfang hatte.
Im spirituellen/religiösen Kontext findet sich die Acht immer wieder z. B. im Hinduismus, wo die Göttin des Glücks acht verschiedene Formen von Reichtum wie geistiger Reichtum, Kraft, Nahrung, Nachkommen, Sieg etc. verleiht. Im Buddhismus weist der achtteilige Pfad den Weg zur Erleuchtung, zu Gleichgewicht und Vollkommenheit. Dazu gehören unter anderem die rechte Einsicht, das rechte Meditieren und das rechte Handeln. Auch im Islam steht die Zahl 8 für Vollkommenheit und verweist auf das Paradies und die Schöpfung. Der Muslim erreicht auf acht Stufen das Paradies, in dem am Tag des Gerichts acht Engel den Thron Gottes tragen. Die Zahl 8 steht im Judentum für das Göttliche, das über der Natur und der Zeit steht. Für die Chinesen wiederum verspricht die Acht Glück, Harmonie und Vollkommenheit.
Wird die Zahl 8 in einem bestimmten Kontext verwendet, scheint sie eine besondere Kraft zu entfalten: Sie verbindet zwei scheinbar unvereinbare Welten – die irdische und die himmlische, göttliche Welt.
Wer der senkrecht stehenden oder liegenden 8 in Gedanken folgt, erfährt eine besondere Schwingung, die in ihrer Mitte zur Ruhe kommt – zur inneren Balance.
Auch im Christentum spielt die Acht eine große Rolle und steht für den Neuanfang. Brauchte der Schöpfer bei der Erschaffung der Welt sieben Tage, so ist der 8. Tag der Tag der Erlösung, der Auferstehung Christi. Da die Taufe für die Christen ein Neuanfang ist als erlöstes Geschöpf Gottes, werden viele Taufkapellen/Baptisterien bis heute achteckig gebaut.
Zurückkehrend vom östlichen irischen Strand und auf dem Weg in das Kleinstädtchen Malahide, entdecke ich an der Malahide Road folgendes Schild:

Eine im 12. Jh. erbaute Kirche, auf den Resten einer im 7. Jh. gegründeten Klostersiedlung, zeigt sich in ihrer irisch anmutenden Form. Sie hat ein Steindach und wird heute noch als liturgischer Ort der anglikanischen Kirche genutzt. Leider bleibt sie uns beim Besuch verschlossen.
Unweit der Kirche befindet sich eine versenkte Steinmauer. Innerhalb dieser Steinmauer taucht sie tatsächlich auf: die Acht!

Ein achteckiges Gebäude mit einem steinernen Dach. Es ist das einzige freistehende, kalksteingedeckte Baptisterium in Irland. Die Seitenwände sind 1,40 m breit, die Mauerdicke beträgt 90 cm. Im Inneren befindet sich ein rundes steinernes Brunnenbecken.
Laut den Informationen auf der Website war das heute verschlossene Baptisterium im Inneren mit Fresken geschmückt, unter anderem mit Darstellungen des Einsiedlers St. Doulagh, des Hl. Patrick, des Hl. Kolumban und der Hl. Birgitta. Heute ist von diesen Fresken nichts mehr zu sehen.
Noch innerhalb der versenkten Steinmauer befindet sich neben dem Baptisterium ein steinernes Becken, der sogenannte Katharinenteich. Über Stufen ist das Becken begehbar.

Sowohl das Baptisterium als auch das freistehende Becken sollen jahrhundertelang als Tauforte genutzt worden sein. Das Außenbecken soll vor allem zum Untertauchen bei Erwachsenentaufen gedient haben.
Vermutlich ist auch diese Anlage den oktogonalen Vorgängern nachempfunden, wie beispielsweise dem karolingischen Bau Karls des Großen in Aachen.
Als Besucher lässt es sich hier aushalten und verweilen. Man kann den Anblick dieses Kleinods auf sich wirken lassen und genießen. Der Ort strahlt eine ganz eigene Faszination aus.
Ob es an der Acht liegt?



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