Quod erat demonstrandum

War Julius Caesar der Namensgeber von Jülich?

Autor: Guido von Büren
Bericht über die mögliche Namensgebung der Stadt Jülich im römischen Kontext



Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Widukind von Corvey beschreibt in seiner Sachsengeschichte Aachen, den Wahlort Ottos I. im Jahr 936, als einen Ort bei Jülich, das wiederum nach seinem Gründer Julius Caesar benannt sei.
Diese Textstelle wurde lange Zeit ernst genommen, obgleich es keine antiken Zeugnisse dafür gibt, dass Jülich tatsächlich von Julius Caesar gegründet bzw. nach ihm benannt wurde, zumal die frühesten Siedlungsfunde in die spätaugusteische Zeit verweisen.

Aber vielleicht wusste der Chronist Widukind von Corvey mehr und konnte auf heute verlorene Quellen zurückgreifen? Leider ist dies eher unwahrscheinlich und die Rückführung Jülichs – „Iulo“ bei Widukind – auf Julius Caesar ist eher so zu erklären, dass der Ort der Wahl Ottos, Aachen, durch den Verweis zusätzlich herausgehoben werden sollte.
Bemerkenswert ist der Text Widukinds aber trotzdem, nennt er doch in seinem lateinischen Text Jülich „Iulo“ und nicht Iuliacum, was die antike Schreibweise war. Diese ist mehrfach belegt. So auf einem (rekonstruierten) Postament einer Iupitersäule des 2. Jahrhunderts n. Chr., dessen Reste in den Fundamenten der Propsteipfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt gefunden wurden. Auch der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus spricht in einem Bericht über das Jahr 357 n. Chr. von Jülich als Iuliacum.
Die moderne Ortsnamensforschung sieht immerhin noch die Beziehung des Namens Iuliacum zum iulisch-claudischen Herrscherhaus und nimmt an, ein Julius oder eine Julia hätte Jülich den Namen gegeben.

Dagegen steht die Namensdeutung durch Eberhard Graffmann. Er geht davon aus, dass Jülich schon immer Jülich geheißen hat, und Iuliacum lediglich die Latinisierung einer vorrömischen Ortsbezeichnung ist.
Der Name Jülich setzt sich demnach aus zwei Bestandteilen zusammen „ialo“ und „lich“. „Lich“ steckt in Lichtung und ist auch so zu verstehen: freier Platz. Jül ist eine Weiterentwicklung von „ialo“ und meint nichts anderes als „lich“, also auch wiederum freier Platz. In der Wortkombination wird die Namensbedeutung gedoppelt und damit in ihrer Aussagekraft unterstrichen.
Der Ort, an dem Jülich um Christi Geburt entstand, war wohl ein besonderer. Oberhalb einer Furt durch die Rur befand sich hier vermutlich ein auf natürliche Weise entstandener baumfreier Platz.

So einleuchtend diese Ortsnamensdeutung auch ist, eindeutig zu beweisen, ist sie nicht.

Guido von Büren