Die Kronen der Margarete von York und der Blanca von England

Die Krone der Margarethe von York (Foto von Pit Siebigs mit freundlicher Genehmigung der Domschatzkammer Aachen).

Autorin: Ulrike Neumann M.A.

Anläßlich eines Besuches in München stieß unsere Autorin auf die zweite Krone, die aus dem englischen Mittelalter auf uns überkommen ist. Es lassen sich erstaunliche Parallelen zu der in der Aachener Domschatzkammer aufbewahrten Krone der Margarethe von York feststellen.

Frauen lieben Schmuck. Ich folge dem Klischee und schreibe über … Krönchen. Kronen seien ein Herrschaftssymbol, kein Schmuck, begehrt mein Gegenüber auf. Ich widerspreche nicht und beginne nachdenklich zu schreiben.

In der Aachener Domschatzkammer wird ein ganz besonderer Schatz aufbewahrt, eine der beiden einzigen noch existierenden mittelalterlichen englischen Kronen, die der Margarete von York.

Sie gelangte 1474 nach Aachen, wurde von der nunmehr burgundischen Herzogin persönlich dem Gnadenbild gestiftet. Vermutlich trug sie sie ein erstes Mal bei der Krönung ihres Bruders Eduards IV. im Jahr 1461, dann, in umgearbeiteter Form, als Hochzeitskrone bei der Vermählung mit Karl dem Kühnen im Jahr 1468.

Es handelt sich um einen breiten Reifen aus feuervergoldetem Silber, der am oberen und unteren Rand mit dicht aneinander sitzenden Perlen verziert ist. Darüber wechseln sich jeweils acht niedrigere und höhere Zacken ab. Etwas ganz Besonderes sind die in dreidimensionaler Emaille gestalteten Rosen, das Wappenzeichen des Hauses York, welche Reif und Zacken zieren, jeweils in der Mitte mit Edelsteinen, respektive Perlen, besetzt sind. Auf dem Reifen prangt in gotischer Minuskel ihr Name: Margarita de York. Die einzelnen Goldbuchstaben sind mit bunter Emaille überzogen und werden von Yorkschen Rosen unterbrochen.

Die Umgestaltung zur Hochzeit setzt dem Wappen des Hauses York auf der gegenüberliegenden Seite das der burgundischen Herzöge entgegen und fügt oberhalb des oberen Perlenkranzes die Buchstaben C für Charles le Téméraire und M, verbunden durch einen feinen Goldfaden hinzu.

Heute dient die Krone alle sieben Jahre dem Aachener Gnadenbild während der Heiligtumsfahrt als Schmuck …

Neuere Forschungsergebnisse ziehen auch in Erwägung, dass die Krone gezielt als Geschenk für das Gnadenbild angefertigt wurde und das burgundische Herzogspaar auf diese Weise die Gottesmutter Maria als Fürbitterin bei Gott gewinnen wollte.

Deutlich wechselvoller ist die Geschichte der Pfälzischen oder Böhmischen Krone, die im Jahre 1402 durch die Heirat der Blanca von England mit dem Kurpfälzer Erbprinzen Ludwig III. zunächst nach Heidelberg, dann durch die Zusammenlegung von Kurpfalz und Kurbayern im Jahre 1777 – aber immer noch im Besitz der Wittelsbacher – fünf Jahre später nach München gelangt, wo sie heute in der Schatzkammer der Residenz aufbewahrt wird.

Die Krone der Blanca von England (Foto mit freundlicher Genehmigung der Autorin).

Ihre genaue Herkunft ist unklar. Sie könnte ursprünglich aus dem Besitz König Eduards III. stammen oder die Brautkrone Annas von Böhmen, einer Tochter Karls IV, gewesen sein. Nachdem ihr Mann Richard II. gewaltsam von seinem Rivalen Heinrich IV. vom englischen Thron vertrieben wird, gelangt die Krone mit dem Brautschatz von dessen Tochter Blanca auf den Kontinent.

Nachweislich befindet sie sich 1399, als beim Dynastiewechsel ein Inventar der Pretiosen erstellt wird, auf englischem Boden.

Angefertigt wurde die älteste noch existierende englische Krone wohl im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts in Frankreich, zumindest aber von einem französischen Goldschmied.

Die goldene Krone zeichnet sich durch sehr hohe Zacken aus, die auf einem schmalen Reifen sitzen. Sechs kürzere, Lilienblüten nachempfundene, und sechs längere in Kreuzesform wechseln einander ab. Besetzt ist sie mit Perlen und zahlreichen Edelsteinen in vielen Farbschattierungen.

Zeitgenössische Darstellungen zeigen sowohl Anna von Böhmen als auch Blanca von England mit zackenbesetzten Kronen, die die Vermutung nahelegen, die Böhmische Krone habe Pate gestanden.

Ja, natürlich sind Kronen Macht- und Herrschaftssymbole, aber durch die Leuchtkraft ihrer Perlen, das Funkeln der Edelsteine, die Faszination von Emaille irgendwie auch Schmuck. Würden sie sonst gerade weibliche Besucher vor ihren Vitrinen fesseln?

Die Autorin und die Krone der Bianca von England (Foto mit freundlicher Genehmigung der Autorin).